Strom ist für viele Unternehmen der größte Energiekostenfaktor. Anders als bei langfristigen Investitionsprojekten gibt es jedoch zahlreiche Sofortmaßnahmen, die Ihre Stromrechnung noch in diesem Jahr spürbar reduzieren – ohne dass Sie in neue Anlagen investieren müssen.
Dieser Artikel zeigt Ihnen 12 praxiserprobte Maßnahmen, die CFOs und Facility Manager sofort umsetzen können. Alle Tipps basieren auf unserer Erfahrung aus hunderten Energieberatungen in Industrie und Gewerbe.
Quick-Win-Matrix: Alle 12 Maßnahmen im Überblick
| Maßnahme | Einsparpotenzial | Aufwand | Umsetzungszeit |
|---|---|---|---|
| 1. Lastspitzenmanagement | 10-25% der Netzentgelte | Mittel | 2-4 Wochen |
| 2. Vertragsoptimierung | 5-15% der Energiekosten | Gering | 1-3 Monate |
| 3. Standby-Vermeidung | 3-8% des Verbrauchs | Gering | 1-2 Wochen |
| 4. LED-Priorisierung | 50-70% Beleuchtungskosten | Gering | Sofort planbar |
| 5. Zeitgesteuerte Prozesse | 2-5% des Verbrauchs | Mittel | 2-4 Wochen |
| 6. Raumtemperatur anpassen | 6% pro 1°C | Gering | Sofort |
| 7. Druckluft-Leckagen | 20-30% der Druckluftkosten | Gering | 1-2 Wochen |
| 8. Kühltemperaturen prüfen | 3-10% der Kühlkosten | Gering | 1 Woche |
| 9. Mitarbeiter-Sensibilisierung | 5-10% gesamt | Gering | Laufend |
| 10. Monitoring einführen | Basis für alle Maßnahmen | Mittel | 2-4 Wochen |
| 11. Energieaudit nutzen | Identifiziert weitere 10-20% | Mittel | 4-8 Wochen |
| 12. Beleuchtungssteuerung | 20-40% Beleuchtungskosten | Gering | 1-2 Wochen |
Maßnahme 1: Lastspitzenmanagement – Netzentgelte gezielt senken
Die Netzentgelte machen bis zu 30% Ihrer Stromrechnung aus. Dabei werden sie maßgeblich von Ihrer höchsten Lastspitze im Jahr bestimmt. Eine einzige Spitze von 15 Minuten kann Ihre Netzentgelte für 12 Monate festlegen.
Warum Lastspitzen so teuer sind
- Der Leistungspreis wird nach Ihrer Jahreshöchstlast berechnet
- Eine Spitze von 100 kW mehr kann 2.000-5.000 EUR Mehrkosten pro Jahr bedeuten
- Netzbetreiber messen in 15-Minuten-Intervallen
So identifizieren Sie Ihre Lastspitzen
- Lastgangdaten anfordern: Ihr Netzbetreiber muss Ihnen die Daten kostenlos zur Verfügung stellen
- Spitzen analysieren: Wann treten die höchsten Werte auf? Morgens beim Hochfahren? Mittags?
- Ursachen finden: Welche Maschinen/Prozesse sind verantwortlich?
Praktische Gegenmaßnahmen
- Anfahrprozesse staffeln: Nicht alle Maschinen gleichzeitig starten
- Energieintensive Prozesse zeitlich entzerren: Schweißroboter, Öfen, Kompressoren nicht parallel betreiben
- Automatische Lastbegrenzung: Viele Energiemanagementsysteme können Verbraucher bei Grenzwert-Annäherung abschalten
Praxis-Beispiel: Ein Metallverarbeiter senkte seine Lastspitze von 420 kW auf 350 kW durch gestaffelte Anfahrprozesse. Ersparnis: 8.400 EUR pro Jahr – ohne jede Investition.
Maßnahme 2: Vertragsoptimierung und Tarifwechsel
Viele Unternehmen verlängern ihren Stromvertrag automatisch – und verschenken dabei bares Geld.
Vertragsprüfung: Diese Punkte checken
| Prüfpunkt | Worauf achten |
|---|---|
| Laufzeit | Wann endet der Vertrag? Kündigungsfrist? |
| Preisbindung | Fest oder variabel? Welcher Index? |
| Grundpreis | Oft zu hoch bei kleinen Lieferstellen |
| Netzentgelt-Umlage | Durchgereicht oder pauschaliert? |
Optimaler Zeitpunkt für Neuausschreibungen
- 6-12 Monate vor Vertragsende mit der Ausschreibung beginnen
- Sommer-Monate sind oft günstiger als Winter
- Mind. 3 Angebote einholen und vergleichen
Tarifmodelle im Vergleich
- Festpreis: Planungssicherheit, aber kein Profitieren bei sinkenden Preisen
- Spotmarkt-Bindung: Volatil, aber Chance auf günstige Phasen
- Tranchenmodell: Risikosplitting durch gestaffelte Beschaffung
Einsparpotenzial: Bei optimaler Ausschreibung sind 8-15% Kostenreduktion gegenüber einer einfachen Vertragsverlängerung realistisch.
Maßnahme 3: Standby-Vermeidung in Nicht-Produktionszeiten
Maschinen und Anlagen, die nachts oder am Wochenende im Standby laufen, verbrauchen oft mehr Strom als gedacht.
Typische Standby-Verbraucher
- Produktionsmaschinen: CNC-Fräsen, Schweißroboter, Pressen
- IT-Infrastruktur: Server, Drucker, Bildschirme
- Bürogeräte: Kaffeemaschinen, Wasserspender, Mikrowellen
- Beleuchtung: Dauerlicht in ungenutzten Bereichen
So ermitteln Sie den Standby-Verbrauch
- Lastgang analysieren: Wie hoch ist der Verbrauch nachts/am Wochenende?
- Rundgang zu Nicht-Produktionszeiten machen
- Einzelne Verbraucher mit Messgerät prüfen
Einfache Abhilfe
- Zeitschaltuhren: Für Kaffeemaschinen, Wasserspender, Drucker
- Hauptschalter nutzen: Maschinen komplett ausschalten, nicht nur Standby
- Automatische Abschaltung: Bewegungsmelder für Beleuchtung
- Checkliste für Schichtende: “Alles aus?” zur Routine machen
Praxis-Beispiel: Ein Bürogebäude mit 50 Arbeitsplätzen sparte durch konsequente Standby-Vermeidung 4.200 EUR pro Jahr – nur durch Zeitschaltuhren und eine Abschalt-Checkliste.
Maßnahme 4: LED-Umstellung strategisch priorisieren
LED-Umstellung lohnt sich nicht überall gleich. Die Priorisierung nach Brenndauer maximiert den ROI.
Priorisierungs-Matrix
| Priorität | Bereich | Brenndauer | ROI |
|---|---|---|---|
| 1. Hoch | Produktionshallen, Lager | >4.000 h/Jahr | <1 Jahr |
| 2. Mittel | Büros, Flure | 2.000-4.000 h/Jahr | 1-2 Jahre |
| 3. Niedrig | Selten genutzte Räume | <2.000 h/Jahr | >3 Jahre |
ROI-Schnellrechnung
Einsparung = (Altleistung - LED-Leistung) × Brennstunden × Strompreis
Beispiel 58W-Röhre → 22W-LED, 4.000 h/Jahr, 0,25 EUR/kWh:
(58W - 22W) × 4.000 h × 0,25 EUR/kWh = 36 EUR/Jahr pro Röhre
Förderung nutzen
- BAFA-Förderung für LED-Umstellung möglich
- Oft 20-30% der Investitionskosten
- Antrag VOR Auftragsvergabe stellen
Quick-Win: Starten Sie mit den Bereichen der höchsten Brenndauer. Die Einsparungen dort finanzieren die Umstellung der restlichen Bereiche.
Maßnahme 5: Zeitgesteuerte Prozesse optimieren
Energieintensive Prozesse zur richtigen Zeit durchführen kann die Stromrechnung senken – durch günstigere Tarife oder Lastspitzenvermeidung.
Welche Prozesse sich eignen
- Wärmeerzeugung: Warmwasser nachts aufheizen
- Kälteerzeugung: Kühlhäuser vor Spitzenlastzeiten vorkühlen
- Batch-Prozesse: Waschmaschinen, Spülmaschinen, Trocknungsprozesse
- IT-Prozesse: Backups, Updates in Schwachlastzeiten
Umsetzung ohne Investition
- Vorhandene Zeitschaltuhren nutzen
- Steuerungen umprogrammieren
- Arbeitsanweisungen anpassen
Praxis-Tipp: Analysieren Sie Ihren Lastgang – die “Täler” zeigen, wann Kapazität für zusätzliche Prozesse vorhanden ist, ohne neue Lastspitzen zu erzeugen.
Maßnahme 6: Raumtemperatur in Büros anpassen
Eine einfache Regel: Jedes Grad weniger spart 6% Heizenergie – und bei Klimaanlagen gilt dasselbe für jedes Grad mehr.
Empfohlene Temperaturen
| Bereich | Heizperiode | Kühlperiode |
|---|---|---|
| Büros | 20-21°C | 25-26°C |
| Besprechungsräume | 20°C | 25°C |
| Flure, Treppenhäuser | 16-18°C | Keine Kühlung |
| Lager | 12-15°C (je nach Lagergut) | Keine Kühlung |
Sofortmaßnahmen
- Thermostate prüfen: Sind sie richtig eingestellt?
- Nachtabsenkung aktivieren: 4-5°C weniger außerhalb der Arbeitszeiten
- Wochenendabsenkung: Heizung auf Frostschutz (5-8°C)
- Klimaanlage nicht unter 25°C: Im Sommer ist 25-26°C ausreichend
Rechnung: Bei 1.000 m² Bürofläche und Gasheizung spart 1°C weniger ca. 1.500-2.000 EUR pro Jahr.
Maßnahme 7: Druckluft-Leckagen beseitigen
Druckluft ist einer der teuersten Energieträger in der Industrie. Und 20-30% der erzeugten Druckluft gehen typischerweise durch Leckagen verloren.
Warum Druckluft so teuer ist
- Nur 5-10% der eingesetzten Energie werden zu nutzbarer Druckluft
- 1 m³ Druckluft kostet ca. 2-3 Cent
- Ein 5-mm-Loch bei 6 bar verursacht ca. 6.000 EUR Kosten pro Jahr
Leckage-Suche ohne teure Geräte
- Hörtest: In ruhigen Zeiten (Nacht, Wochenende) durch die Produktion gehen
- Seifenwassertest: Verdächtige Stellen einsprühen
- Systematisch prüfen: Kupplungen, Schläuche, Ventile, Anschlüsse
Einfache Reparaturen
- Undichte Schnellkupplungen austauschen
- Schläuche mit Rissen ersetzen
- Verschraubungen nachziehen
- Defekte Ventile reparieren
Praxis-Beispiel: Ein Maschinenbauer fand bei einem Rundgang 47 Leckagen. Die Reparatur kostete 800 EUR Material und 2 Arbeitstage. Ersparnis: 18.000 EUR pro Jahr.
Maßnahme 8: Kühltemperaturen überprüfen
Viele Kühlsysteme laufen kälter als nötig – aus Gewohnheit oder Sicherheitsdenken.
Optimale Temperaturen
| Anwendung | Übliche Einstellung | Optimum | Einsparpotenzial |
|---|---|---|---|
| Serverraum | 18-20°C | 24-27°C | 20-40% |
| Kühlhaus (frisch) | 2°C | 4-5°C | 15-25% |
| Tiefkühlung | -22°C | -18°C | 10-15% |
| Prozesskühlung | Variiert | +2-3°C möglich? | 5-10% |
Serverraum-Optimierung
Die ASHRAE-Empfehlung erlaubt bis zu 27°C Zulufttemperatur für moderne Server. Viele Serverräume sind mit 18-20°C unnötig kalt.
- Temperatur schrittweise erhöhen (2°C pro Woche)
- Monitoring der Server-Temperaturen
- Hotspots identifizieren und gezielt kühlen
Quick-Win: Erhöhen Sie die Serverraum-Temperatur um 4°C – das spart typischerweise 25-35% Kühlenergie ohne Risiko für die Hardware.
Maßnahme 9: Mitarbeiter-Sensibilisierung mit konkreten Beispielen
Mitarbeiter können 5-10% des Energieverbrauchs beeinflussen – wenn sie wissen, worauf es ankommt.
Was funktioniert (und was nicht)
| Funktioniert | Funktioniert nicht |
|---|---|
| Konkrete Beispiele mit Euro-Beträgen | Abstrakte Appelle (“Energie sparen”) |
| Sichtbare Erfolge kommunizieren | Einmalige Kampagnen |
| Positive Verstärkung | Schuldzuweisungen |
| Einfache Handlungsanweisungen | Komplizierte Regeln |
Konkrete Botschaften
- “Licht aus beim Verlassen spart 50 EUR pro Büro und Jahr”
- “Computer herunterfahren statt Standby: 30 EUR pro Arbeitsplatz”
- “Fenster zu bei laufender Heizung: 200 EUR pro Fenster und Winter”
Quick-Win-Kampagnen
- “Licht-aus”-Challenge: Abteilung mit niedrigstem Verbrauch gewinnt
- Energie-Scouts: Azubis als Energie-Detektive
- Sichtbare Verbrauchsanzeigen: Echtzeit-Display im Eingangsbereich
Praxis-Tipp: Binden Sie die Mitarbeiter ein, statt Regeln zu diktieren. Wer selbst Einsparpotenziale findet, setzt sie auch um.
Maßnahme 10: Messgeräte und Monitoring einführen
“Was man nicht messen kann, kann man nicht verbessern.” Transparenz ist die Basis für alle weiteren Optimierungen.
Mindest-Monitoring ohne große Investition
- Hauptzähler auslesen: Lastgangdaten vom Netzbetreiber anfordern (kostenlos!)
- Unterzähler nutzen: Oft sind bereits welche vorhanden, aber nicht ausgewertet
- Mobile Messgeräte: Für temporäre Messungen einzelner Verbraucher
Was Sie messen sollten
| Messgrößen | Erkenntnisgewinn |
|---|---|
| Lastgang (15-min) | Lastspitzen, Standby-Verbrauch |
| Verbrauch pro Bereich | Wo sind die größten Verbraucher? |
| Verbrauch pro Produkt | Energiekosten-Kalkulation |
| Temperaturverläufe | Heiz-/Kühloptimierung |
Auswertung
- Wochenprofil erstellen: Wie unterscheiden sich Werktage vom Wochenende?
- Anomalien erkennen: Plötzliche Anstiege oder ungewöhnliche Muster
- Benchmarking: Vergleich mit ähnlichen Betrieben oder vergangenen Perioden
Einstieg: Fordern Sie heute noch Ihre Lastgangdaten der letzten 12 Monate beim Netzbetreiber an. Die Analyse dauert 2 Stunden und liefert oft überraschende Erkenntnisse.
Maßnahme 11: Energieaudit für weitere Potenziale nutzen
Ein professionelles Energieaudit identifiziert systematisch alle Einsparpotenziale – und ist für viele Unternehmen sogar vorgeschrieben.
Wer braucht ein Energieaudit?
- Pflicht nach EDL-G: Nicht-KMU (>250 Mitarbeiter ODER >50 Mio. EUR Umsatz UND >43 Mio. EUR Bilanzsumme)
- Freiwillig sinnvoll: KMU ab ca. 100.000 EUR Energiekosten/Jahr
Was ein Energieaudit bringt
| Leistung | Nutzen |
|---|---|
| Systematische Bestandsaufnahme | Alle Verbräuche erfasst |
| Schwachstellenanalyse | Prioritäten identifiziert |
| Maßnahmenkatalog mit ROI | Investitionsentscheidungen fundiert |
| Umsetzungsbegleitung | Erfolg gesichert |
Förderung
- BAFA-Förderung für Energieberatung im Mittelstand: bis zu 80% der Kosten
- Max. 6.000 EUR Zuschuss
- Gilt für KMU
Empfehlung: Auch wenn Sie nicht verpflichtet sind – ein Energieaudit amortisiert sich typischerweise innerhalb von 6-12 Monaten durch die identifizierten Einsparungen.
Maßnahme 12: Beleuchtungssteuerung optimieren
Bevor Sie in neue LED investieren: Nutzen Sie das vorhandene Licht effizienter durch intelligente Steuerung.
Schnell umsetzbare Maßnahmen
- Bewegungsmelder: Für WCs, Flure, Lager, Treppenhäuser
- Zeitschaltuhren: Außenbeleuchtung, Werbeanlagen
- Tageslichtsteuerung: Dimmen bei ausreichend Tageslicht
- Zonenschaltung: Nicht alle Lampen gleichzeitig an/aus
Typische Einsparpotenziale
| Maßnahme | Einsparung |
|---|---|
| Bewegungsmelder in Nebenräumen | 30-50% |
| Zeitschaltuhr Außenbeleuchtung | 20-40% |
| Tageslichtsteuerung | 20-30% |
| Zonenschaltung | 10-20% |
Schnell-Check: Wo lohnt es sich?
- Räume, die oft leer sind, aber beleuchtet (→ Bewegungsmelder)
- Bereiche mit viel Tageslicht (→ Dimmer/Abschaltung)
- Außenbeleuchtung, die nachts nicht nötig ist (→ Zeitschaltuhr)
Quick-Win: Bewegungsmelder für Toiletten und Lagerräume kosten 20-50 EUR pro Stück und sparen 50-100 EUR pro Jahr. Amortisation: wenige Monate.
Fazit: Stromkosten senken beginnt heute
Die 12 Sofortmaßnahmen zeigen: Signifikante Einsparungen sind ohne große Investitionen möglich. Der Schlüssel liegt in systematischem Vorgehen:
Ihre nächsten Schritte
- Diese Woche: Lastgangdaten beim Netzbetreiber anfordern
- Nächste Woche: Standby-Verbrauch und Leckagen prüfen
- Diesen Monat: Temperatur-Einstellungen optimieren
- Nächstes Quartal: Vertragsoptimierung vorbereiten
Priorisierung nach Aufwand/Nutzen
| Sofort umsetzbar | Hohes Potenzial, etwas Aufwand |
|---|---|
| Raumtemperaturen anpassen | Lastspitzenmanagement |
| Standby vermeiden | Vertragsoptimierung |
| Kühltemperaturen prüfen | Druckluft-Leckagen |
| Mitarbeiter informieren | Monitoring aufbauen |
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Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert. Stand: Januar 2026