Die Gaspreise bleiben auch 2026 ein zentrales Thema für Unternehmen. Nach den turbulenten Jahren seit 2022 hat sich der Markt zwar stabilisiert, doch die Preise liegen weiterhin deutlich über dem Vor-Krisen-Niveau. Für Geschäftsführer und CFOs stellt sich die Frage: Wie lassen sich Gaskosten nachhaltig senken, ohne den Betrieb einzuschränken?
In diesem Artikel erfahren Sie:
- Wie sich der Gaspreis 2026 und 2027 voraussichtlich entwickelt
- Welche 7 praxiserprobten Strategien Ihre Gaskosten reduzieren
- Wo die größten Einsparpotenziale für Ihr Unternehmen liegen
Gaspreisentwicklung 2026/2027: Was erwartet Unternehmen?
Ist Gas 2026 teurer als 2025?
Die Gaspreise bewegen sich 2026 auf einem moderat erhöhten Niveau. Nach den extremen Ausschlägen von 2022/2023 und der anschließenden Normalisierung zeigt der Markt folgende Tendenzen:
| Zeitraum | Preisniveau (Großhandel) | Trend |
|---|---|---|
| 2024 | 25-35 EUR/MWh | Rückgang |
| 2025 | 30-40 EUR/MWh | Stabilisierung |
| 2026 | 35-45 EUR/MWh | Leichter Anstieg |
| 2027 (Prognose) | 32-42 EUR/MWh | Seitwärtsbewegung |
Faktoren, die den Gaspreis 2026/2027 beeinflussen
- LNG-Infrastruktur: Die neuen deutschen LNG-Terminals erhöhen die Versorgungssicherheit, aber LNG bleibt teurer als ehemaliges Pipeline-Gas
- CO2-Preis: Der nationale CO2-Preis steigt 2026 auf 55 EUR/Tonne – ein zusätzlicher Kostenfaktor
- Speicherfüllstände: Gut gefüllte Speicher dämpfen Preisspitzen im Winter
- Geopolitische Lage: Bleibt der größte Unsicherheitsfaktor
Praxis-Einschätzung: Für 2027 erwarten Analysten eine Seitwärtsbewegung mit saisonalen Schwankungen. Unternehmen sollten sich auf ein dauerhaft erhöhtes Preisniveau einstellen und aktiv gegensteuern.
Strategie 1: Vertragsoptimierung und Timing bei Neuausschreibungen
Der Gasvertrag ist der größte Hebel für Ihre Energiekosten. Viele Unternehmen verschenken hier bares Geld.
Optimaler Zeitpunkt für Neuausschreibungen
- Sommer-Monate (Mai-August): Traditionell niedrigere Preise wegen geringer Nachfrage
- Vorlaufzeit: 6-12 Monate vor Vertragsende ausschreiben
- Marktbeobachtung: Preise über 3-4 Wochen vergleichen, nicht spontan abschließen
Vertragsmodelle im Vergleich
| Modell | Vorteile | Nachteile | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Festpreis (12-24 Monate) | Planungssicherheit | Kein Profitieren bei Preisrückgang | Risikoscheue Unternehmen |
| Spotmarkt-Bindung | Flexibilität, Chance auf günstige Preise | Volatilität, schwer kalkulierbar | Unternehmen mit Risikobereitschaft |
| Tranchenmodell | Risikosplitting | Komplexere Verwaltung | Mittlere bis große Verbraucher |
Praktische Schritte
- Vertragslaufzeiten aller Lieferstellen dokumentieren
- Kündigungsfristen im Kalender markieren (meist 6 Monate)
- Mind. 3 Anbieter zur Ausschreibung einladen
- Preisgleitklauseln kritisch prüfen
Einsparpotenzial: Bei optimaler Ausschreibung sind 8-15% Kostenreduktion gegenüber einer einfachen Vertragsverlängerung realistisch.
Strategie 2: Lieferstellenbündelung für bessere Konditionen
Unternehmen mit mehreren Standorten oder Liegenschaften verschenken oft Verhandlungsmacht.
Warum Bündelung wirkt
- Mengenrabatte: Größere Abnahmemengen = bessere Konditionen
- Verhandlungsposition: Ein Vertrag für alle Standorte ist für Versorger attraktiver
- Verwaltungsaufwand: Weniger Verträge = weniger Administrationskosten
So bündeln Sie richtig
- Bestandsaufnahme: Alle Gaslieferstellen mit Jahresverbrauch erfassen
- Synchronisierung: Vertragslaufzeiten auf ein gemeinsames Ende-Datum bringen
- Ausschreibung: Gesamtmenge gebündelt ausschreiben
- Rahmenvertrag: Mit Einzelabrufen pro Standort vereinbaren
Praxis-Beispiel: Ein mittelständisches Produktionsunternehmen mit 5 Standorten konnte durch Bündelung von insgesamt 8 GWh Jahresverbrauch einen 12% günstigeren Arbeitspreis erzielen als bei Einzelverträgen.
Strategie 3: Netzentgeltoptimierung bei Gasverträgen
Die Netzentgelte machen bis zu 20% Ihrer Gasrechnung aus. Hier gibt es oft ungenutzte Einsparpotenziale.
Leistungspreis vs. Arbeitspreis verstehen
| Komponente | Berechnung | Optimierungsansatz |
|---|---|---|
| Leistungspreis | Höchste Stundenentnahme im Jahr (kW) | Lastspitzen glätten |
| Arbeitspreis | Verbrauchte Menge (kWh) | Effizienzmaßnahmen |
| Messpreis | Pauschal pro Zähler | Messstellenkonzept prüfen |
Lastspitzen bei Gas vermeiden
- Anfahrprozesse koordinieren: Nicht alle Brenner gleichzeitig hochfahren
- Pufferspeicher nutzen: Wärmespeicher für Spitzenabdeckung
- Produktionsplanung: Gasintensive Prozesse zeitlich entzerren
Messstellenbetrieb prüfen
- Wettbewerblicher Messstellenbetrieb kann günstiger sein als Grundversorger
- Prüfen Sie Angebote alternativer Messstellenbetreiber
- Moderne Zähler ermöglichen besseres Monitoring
Einsparpotenzial: Durch Lastspitzenmanagement bei Gas sind 5-10% Reduktion der Netzentgelte möglich.
Strategie 4: Fördermittel für Gasheizungsalternativen nutzen
Der Staat fördert den Umstieg von Gas auf erneuerbare Wärme großzügig. Diese Chancen sollten Sie kennen.
BEG-Förderung (Bundesförderung für effiziente Gebäude)
| Maßnahme | Fördersatz | Max. Fördersumme |
|---|---|---|
| Wärmepumpe | 30-70% | 30.000 EUR (Basis) |
| Biomasseheizung | 30-65% | 30.000 EUR (Basis) |
| Solarthermie | 25-60% | 30.000 EUR (Basis) |
| Anschluss Wärmenetz | 30-65% | 30.000 EUR (Basis) |
Hinweis: Fördersätze abhängig von Bonusfaktoren (Einkommensbonus, Geschwindigkeitsbonus, Effizienzbonus)
Hybridlösungen als Übergang
Wenn ein kompletter Umstieg nicht möglich ist:
- Wärmepumpen-Hybridheizung: Wärmepumpe als Grundlast, Gas nur für Spitzen
- Solarthermie + Gaskessel: Solare Unterstützung reduziert Gasverbrauch um 20-40%
- Power-to-Heat: Überschuss-Strom aus PV für Wärmeerzeugung nutzen
Praktische Schritte zur Förderung
- Energieberatung durchführen (selbst förderfähig)
- Wirtschaftlichkeitsrechnung mit Fördermitteln erstellen
- Antrag VOR Auftragsvergabe stellen
- Umsetzung mit qualifizierten Fachbetrieben
ROI-Beispiel: Austausch eines alten Gaskessels durch Wärmepumpe: Bei 50% Förderung und 70% Gaseinsparung amortisiert sich die Investition in 4-6 Jahren.
Strategie 5: Lastmanagement bei Gasheizsystemen
Intelligente Steuerung reduziert den Gasverbrauch ohne Komforteinbußen.
Bedarfsgerechte Steuerung implementieren
- Zeitprogramme: Heizzeiten an Betriebszeiten anpassen
- Außentemperaturführung: Vorlauftemperatur automatisch anpassen
- Präsenzsteuerung: Nur heizen, wenn Räume genutzt werden
Nachtabsenkung optimieren
| Gebäudetyp | Empfohlene Absenkung | Einsparpotenzial |
|---|---|---|
| Bürogebäude | 4-5 K nachts/Wochenende | 10-15% |
| Produktionshalle | 3-4 K außerhalb Schichten | 8-12% |
| Lager | 5-8 K (je nach Lagergut) | 15-25% |
Gebäudeautomation nachrüsten
Moderne Gebäudeleittechnik ermöglicht:
- Zentrale Überwachung aller Heizkreise
- Automatische Optimierung der Heizkurven
- Erkennung von Anomalien (defekte Ventile, offene Fenster)
- Reporting für kontinuierliche Verbesserung
Quick-Win: Schon die Absenkung der Vorlauftemperatur um 5°C kann 3-5% Gasersparnis bringen – ohne Investition.
Strategie 6: Contracting-Modelle als Alternative
Contracting überträgt Investition und Betriebsrisiko auf einen Dienstleister.
Energieliefer-Contracting
Der Contractor:
- Investiert in neue Heizungsanlage
- Betreibt und wartet die Anlage
- Liefert Wärme zum vereinbarten Preis
Vorteile:
- Keine eigene Investition nötig
- Modernste Technik ohne Kapitalbindung
- Betriebsrisiko liegt beim Contractor
Nachteile:
- Langfristige Bindung (10-15 Jahre)
- Gesamtkosten oft höher als Eigenbetrieb
- Weniger Flexibilität
Einspar-Contracting
Der Contractor:
- Identifiziert Einsparpotenziale
- Finanziert und setzt Maßnahmen um
- Erhält Anteil an der tatsächlichen Einsparung
Ideal für:
- Unternehmen ohne Investitionsbudget
- Komplexe Bestandsanlagen
- Wenn internes Know-how fehlt
Vor Vertragsabschluss prüfen
- Vertragslaufzeit und Exit-Optionen
- Preisgleitklauseln und Indexierung
- Wartungsumfang und Reaktionszeiten
- Eigentumsübergang nach Vertragsende
Empfehlung: Holen Sie mindestens 3 Contracting-Angebote ein und lassen Sie diese von unabhängiger Seite prüfen.
Strategie 7: Technische Effizienzmaßnahmen
Technische Optimierungen senken den Gasverbrauch unabhängig vom Gaspreis.
Brennwertkessel-Optimierung
Falls Sie noch konventionelle Heizkessel nutzen:
- Brennwerttechnik nachrüsten: 10-15% Effizienzgewinn
- Regelmäßige Wartung: Brennereinstellung, Kesselreinigung
- Abgastemperatur prüfen: Sollte unter 160°C liegen
Wärmerückgewinnung
| Wärmequelle | Rückgewinnungspotenzial | Typische Maßnahme |
|---|---|---|
| Abgas | 5-15% der Kesselleistung | Economizer/Abgaskondensator |
| Abwasser | 20-40°C nutzbar | Wärmetauscher in Abwasserleitung |
| Prozessabwärme | Projektabhängig | Wärmetauscher, ORC-Anlagen |
| Abluft | 50-80% Rückgewinnung | Wärmerückgewinnungsanlage |
Gebäudehülle und Hydraulik
- Dämmung: Dach und Außenwände priorisieren (größte Wirkung)
- Hydraulischer Abgleich: Gleichmäßige Wärmeverteilung, 5-10% Einsparung
- Fenster und Türen: Undichtigkeiten beseitigen
- Rohrleitungsdämmung: Vor allem in unbeheizten Bereichen
Praxis-Tipp: Ein Energieaudit nach DIN EN 16247 identifiziert systematisch alle Potenziale und ist für größere Unternehmen gesetzlich vorgeschrieben.
Fazit: Gaskosten senken erfordert einen Mix aus Strategien
Die gute Nachricht: Sie haben zahlreiche Hebel, um Ihre Gaskosten 2026 und darüber hinaus zu senken. Die effektivste Vorgehensweise kombiniert:
Kurzfristig (Quick-Wins):
- Vertragsoptimierung bei der nächsten Ausschreibung
- Nachtabsenkung und Zeitprogramme anpassen
- Lastspitzen identifizieren und glätten
Mittelfristig (1-2 Jahre):
- Lieferstellenbündelung umsetzen
- Lastmanagement-Systeme einführen
- Wärmerückgewinnung prüfen
Langfristig (3-5 Jahre):
- Fördermittel für Heizungsaustausch nutzen
- Contracting-Modelle evaluieren
- Gebäudesanierung planen
Nächster Schritt
Jede Optimierung beginnt mit einer Bestandsaufnahme: Wo steht Ihr Unternehmen heute? Welche Potenziale sind am schnellsten realisierbar?
Wir unterstützen Sie mit:
- Analyse Ihrer aktuellen Gasverträge und -verbräuche
- Identifikation der größten Einsparpotenziale
- Umsetzungsbegleitung von der Ausschreibung bis zur Maßnahme
Vereinbaren Sie ein unverbindliches Erstgespräch – gemeinsam finden wir die passende Strategie für Ihr Unternehmen.
Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert, um aktuelle Marktentwicklungen und Förderbedingungen zu berücksichtigen. Stand: Januar 2026