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Energiekosten im Handel senken: 6 Hebel für Filialisten

8 Min. Lesezeit

Handelsunternehmen mit mehreren Standorten stehen vor einer besonderen Herausforderung: Energiekosten müssen gesenkt werden, aber der Kundenkomfort darf nicht leiden. Schlecht beleuchtete Verkaufsräume oder zu warme Kühlregale sind keine Option. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Strategien lassen sich 15-30% der Energiekosten einsparen, während die Servicequalität sogar steigt.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Sie durch Lieferstellenbündelung bessere Einkaufskonditionen erzielen
  • Welche 6 praxiserprobten Hebel Ihre Energiekosten an allen Standorten senken
  • Wie Sie Einsparpotenziale identifizieren, ohne jeden Standort einzeln analysieren zu müssen

Die Herausforderung: Viele Standorte, ein Kostenblock

Ob Supermarktkette, Bekleidungsfilialisten, Baumarkt oder Logistikunternehmen mit mehreren Depots – die Energiesituation ist oft ähnlich:

StandorttypTypische EnergieverbraucherJahresverbrauch (Beispiel)
EinzelhandelsfilialeBeleuchtung, Klimatisierung, Kühlung150.000-400.000 kWh
SupermarktKühlmöbel, Tiefkühltruhen, Beleuchtung400.000-1.000.000 kWh
Depot/LagerBeleuchtung, Heizung, Flurförderfahrzeuge100.000-500.000 kWh
LogistikzentrumKühlung, Fördertechnik, Beleuchtung500.000-3.000.000 kWh

Bei 20, 50 oder 100 Standorten summieren sich selbst kleine Ineffizienzen zu erheblichen Mehrkosten. Gleichzeitig fehlt oft der Überblick: Welcher Standort verbraucht zu viel? Wo sind die größten Potenziale?

Hebel 1: Lieferstellenbündelung für bessere Konditionen

Der wirkungsvollste Hebel für Multi-Standort-Unternehmen liegt im Einkauf: Die Bündelung aller Lieferstellen zu einem Rahmenvertrag.

Warum Bündelung so effektiv ist

  • Volumenrabatte: 10 Standorte mit je 200.000 kWh sind 2 GWh – eine relevante Menge für Energieversorger
  • Verhandlungsmacht: Ein Vertrag für alle Standorte ist attraktiver als viele Einzelverträge
  • Synchonisierte Laufzeiten: Alle Verträge enden gleichzeitig, maximale Flexibilität bei Neuverhandlungen
  • Reduzierter Aufwand: Eine Rechnung, ein Ansprechpartner, ein Vertrag

So funktioniert die Umsetzung

  1. Bestandsaufnahme: Alle Lieferstellen mit Jahresverbrauch und Vertragslaufzeiten erfassen
  2. Synchronisierung planen: Verträge auf ein gemeinsames Ende-Datum ausrichten
  3. Gebündelt ausschreiben: Gesamtmenge bei mindestens 3-5 Anbietern anfragen
  4. Rahmenvertrag verhandeln: Mit Einzelabrufen pro Standort und flexibler Mengenanpassung

Praxis-Beispiel: Eine Einzelhandelskette mit 35 Filialen bündelte ihren Stromverbrauch von insgesamt 12 GWh. Die gebündelte Ausschreibung erzielte einen 18% günstigeren Arbeitspreis gegenüber den bisherigen Einzelverträgen – Jahresersparnis: 156.000 €.

Herausforderungen bei der Bündelung

HürdeLösung
Unterschiedliche VertragslaufzeitenSchrittweise Synchronisierung über 2-3 Jahre
Standorte in verschiedenen NetzgebietenKein Problem – Rahmenverträge gelten bundesweit
Neue/geschlossene FilialenFlexible Vertragsgestaltung mit Mengenkorridoren
Kein interner ÜberblickExterne Energieberatung für Bestandsaufnahme

Hebel 2: Zentrales Energiemonitoring & Benchmarking

Ohne Daten keine Optimierung. Ein zentrales Monitoring-System schafft Transparenz über alle Standorte.

Was ein Monitoring-System leistet

  • Verbrauchserfassung: Automatisierte Ablesung aller Zähler (Strom, Gas, Wasser)
  • Benchmark-Vergleiche: Filialen untereinander vergleichen (kWh/m², kWh/Umsatz)
  • Alarmfunktionen: Sofortige Benachrichtigung bei Abweichungen
  • Reporting: Automatisierte Berichte für Management und Controlling

Einfacher Einstieg: Kennzahlen-Benchmarking

Auch ohne aufwendiges Monitoring-System können Sie Ihre Standorte vergleichen:

KennzahlBerechnungBenchmark Einzelhandel
EnergieintensitätkWh / m² Verkaufsfläche150-300 kWh/m²·Jahr
Energieumsatz-VerhältniskWh / 1.000 € Umsatz15-40 kWh/1.000 €
Grundlast-AnteilNachtverbrauch / Tagesverbrauch< 30%

Ausreißer identifizieren

Sortieren Sie Ihre Standorte nach Energiekennzahl. Die oberen 20% (höchster Verbrauch pro m²) haben das größte Optimierungspotenzial. Typische Ursachen für Ausreißer:

  • Veraltete Kühlmöbel oder Klimaanlagen
  • Defekte Türschließer oder Dichtungen
  • Fehlende Nachtabsenkung
  • Falsches Nutzerverhalten

Praxis-Tipp: Starten Sie mit einer einfachen Excel-Übersicht Ihrer Top-20-Standorte nach kWh/m². Die auffälligsten 3-5 Standorte zuerst prüfen.

Hebel 3: Beleuchtungsoptimierung ohne Komfortverlust

Beleuchtung macht im Handel 30-50% des Stromverbrauchs aus. Die Umstellung auf LED ist der effektivste Einzelhebel.

LED-Umstellung im Handel

AusgangssituationLED-ErsatzEinsparpotenzial
Leuchtstoffröhren T8LED-Röhren oder neue Leuchten40-60%
Halogen-StrahlerLED-Spots70-80%
Metalldampflampen (Hallenbeleuchtung)LED-Hallenstrahler50-70%

Mehr als nur Lampentausch

Eine echte Beleuchtungsoptimierung geht weiter:

  • Lichtsteuerung: Präsenzmelder für Lager, Sozialräume, WC
  • Tageslichtnutzung: Dimmen bei ausreichend Tageslicht
  • Zonenkonzept: Unterschiedliche Beleuchtungsstärken für Verkauf, Lager, Parkplatz
  • Wartung: Verschmutzte Leuchten verlieren 20-30% Lichtleistung

Kundenkomfort beachten

Im Verkaufsraum gelten besondere Anforderungen:

  • Mindest-Beleuchtungsstärke: 300-500 Lux im Verkaufsbereich
  • Farbwiedergabe: CRI > 80 für Bekleidung und Lebensmittel
  • Akzentbeleuchtung: Hochwertige Waren gezielt inszenieren
  • Blendfreiheit: Besonders an Kassen und Beratungszonen

Einsparpotenzial: LED-Umstellung mit intelligenter Steuerung spart 40-60% der Beleuchtungskosten – bei besserer Lichtqualität als zuvor.

Hebel 4: Klimatisierung & Kühlung effizient steuern

Kühl- und Klimatechnik sind in Supermärkten und Logistikzentren die größten Stromverbraucher. Hier liegen erhebliche Einsparpotenziale.

Klimatisierung im Einzelhandel

MaßnahmeAufwandEinsparpotenzial
Solltemperatur anpassen (22→24°C)Gering10-15%
Nachtabsenkung/-abschaltungGering15-25%
Türschließer/LuftschleierMittel10-20%
Frequenzgeregelte VentilatorenMittel20-30%
WärmerückgewinnungHoch15-25%

Kältetechnik optimieren

Supermärkte und Logistiker mit Kühlbedarf sollten folgende Punkte prüfen:

  • Kühlmöbel mit Türen/Hauben: Spart 30-40% gegenüber offenen Kühlregalen
  • Verdichter mit Frequenzumrichter: Anpassung an tatsächlichen Bedarf
  • Verflüssiger-Reinigung: Verschmutzung erhöht Stromverbrauch um 10-20%
  • Abwärmenutzung: Wärme aus Kälteanlagen für Warmwasser oder Heizung

Kundenkomfort wahren

Temperaturänderungen müssen behutsam umgesetzt werden:

  • Verkaufsraum: 20-22°C im Winter, 24-26°C im Sommer (mit Klimaanlage)
  • Eingangsbereiche: Luftschleier statt offener Türen bei Klimatisierung
  • Kommunikation: Schilder wie “Für Ihr Wohlbefinden klimatisiert” schaffen Akzeptanz

Praxis-Beispiel: Eine Supermarktkette rüstete 45 Filialen mit Glastüren an Kühlregalen nach. Investition: 1,8 Mio. €. Jährliche Einsparung: 520.000 € – Amortisation unter 4 Jahren.

Hebel 5: Gebäudeautomation & Smart Building

Intelligente Gebäudetechnik ermöglicht die zentrale Steuerung und Optimierung aller Standorte.

Was Gebäudeautomation leistet

  • Zentrale Steuerung: Alle Filialen von einer Leitwarte aus überwachen und steuern
  • Automatische Optimierung: KI-basierte Regelung von Heizung, Kühlung, Beleuchtung
  • Fehlererkennung: Defekte Anlagen werden sofort gemeldet
  • Betriebszeiten-Management: Automatisches Ein-/Ausschalten nach Geschäftszeiten

Typische Funktionen für Filialisten

FunktionNutzen
Fernzugriff auf GLTEinstellungen ändern ohne Vor-Ort-Termin
ZeitprogrammeBeleuchtung/Klimatisierung an Öffnungszeiten gekoppelt
GrenzwertüberwachungAlarm bei Kühlkettenunterbrechung
EnergiereportingAutomatisierte Monatsberichte pro Filiale
Predictive MaintenanceWartungsbedarf vorhersagen, Ausfälle vermeiden

Schrittweise Einführung

Der Aufbau einer zentralen Gebäudeautomation muss nicht in einem Schritt erfolgen:

  1. Phase 1: Zählerfernauslesung an allen Standorten (Energiemonitoring)
  2. Phase 2: Wichtigste Anlagen anbinden (Kälteanlagen, Hauptbeleuchtung)
  3. Phase 3: Vollständige GLT mit automatischer Optimierung

Praxis-Tipp: Starten Sie mit Pilotfilialen. Nach erfolgreicher Erprobung lässt sich das Konzept auf alle Standorte übertragen.

Hebel 6: Standort-Audits und Einsparpotenziale identifizieren

Ein systematisches Audit-Programm identifiziert Potenziale, die im Tagesgeschäft übersehen werden.

Stufenmodell für Multi-Standort-Audits

Audit-StufeUmfangGeeignet für
Quick-Check2-3 Stunden vor Ort, ChecklisteAlle Standorte als Erstscreening
Standard-Audit1 Tag, Messungen, DatenanalyseStandorte mit auffälligen Kennzahlen
Detailanalyse2-3 Tage, LangzeitmessungenGrößte Standorte, komplexe Anlagen

Typische Audit-Ergebnisse

Bei Audits in Handelsunternehmen finden wir regelmäßig:

  • Beleuchtung an außerhalb der Geschäftszeiten: 5-10% Einsparpotenzial
  • Klimaanlagen ohne Nachtabsenkung: 10-15% Einsparpotenzial
  • Kühlmöbel-Einstellungen nicht optimal: 10-20% Einsparpotenzial
  • Defekte Dichtungen an Türen und Fenstern: 5-10% Wärmeverlust
  • Veraltete Heizungspumpen: Tausch gegen Hocheffizienzpumpen spart 70%

Effiziente Audit-Durchführung

Für Unternehmen mit vielen Standorten empfiehlt sich ein strukturiertes Vorgehen:

  1. Kennzahlen-Screening: Alle Standorte nach kWh/m² ranken
  2. Quick-Checks: Top-20%-Verbraucher vor Ort prüfen
  3. Maßnahmenliste: Einsparpotenziale quantifizieren
  4. Priorisierung: Nach Amortisation und Umsetzungsaufwand sortieren
  5. Rollout: Erfolgreiche Maßnahmen auf weitere Standorte übertragen

Einsparpotenzial: Systematische Standort-Audits identifizieren typischerweise 15-25% Einsparpotenzial – oft mit einfachen Maßnahmen ohne große Investitionen.

Fazit: Energieoptimierung für Handel und Filialisten

Multi-Standort-Unternehmen haben besondere Chancen bei der Energieoptimierung. Die Skaleneffekte – ob beim Einkauf oder bei der Maßnahmenumsetzung – können erheblich sein.

Sofort umsetzbar:

  • Lieferstellen-Übersicht erstellen, Bündelungspotenzial prüfen
  • Kennzahlen-Vergleich aller Standorte (kWh/m²)
  • Zeitschaltuhren und Nachtabsenkung überprüfen

Mittelfristig (6-12 Monate):

  • Lieferstellenbündelung bei nächster Vertragsrunde umsetzen
  • LED-Umstellung an Standorten mit höchstem Verbrauch starten
  • Energiemonitoring-System einführen

Langfristig:

  • Gebäudeautomation schrittweise ausbauen
  • Kühlmöbel-Modernisierung planen
  • Regelmäßiges Audit-Programm etablieren

Ihr nächster Schritt

Eine erfolgreiche Energieoptimierung für Multi-Standort-Unternehmen beginnt mit dem Überblick: Wo stehen Ihre Standorte heute? Welche Quick-Wins lassen sich sofort umsetzen?

Wir unterstützen Sie mit:

  • Bestandsaufnahme aller Lieferstellen und Verbräuche
  • Benchmark-Analyse Ihrer Standorte
  • Lieferstellenbündelung und Ausschreibungsbegleitung
  • Standort-Audits und Maßnahmenpriorisierung

Vereinbaren Sie ein unverbindliches Erstgespräch – gemeinsam identifizieren wir die größten Hebel für Ihre Standorte.


Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert. Stand: Januar 2026

Themen in diesem Artikel:
Energiekosten Handel Filialisten Energieeffizienz Multi-Standort Optimierung Lieferstellenbündelung Depot Energiekosten

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