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Energieberatung für Unternehmen: Wann lohnt sie sich?

8 Min. Lesezeit

Energieberatung für Unternehmen: Mehr als nur Pflichterfüllung

Viele Unternehmen kennen Energieberatung zunächst als gesetzliche Verpflichtung – etwa durch das Energiedienstleistungsgesetz (EDL-G) oder das Energieeffizienzgesetz (EnEfG). Doch professionelle Energieberatung kann weit mehr sein als ein Compliance-Thema:

  • Sie deckt konkrete Einsparpotenziale auf – oft im fünf- bis sechsstelligen Bereich pro Jahr.
  • Sie liefert eine belastbare Entscheidungsgrundlage für Investitionen in Anlagen, Gebäude und Prozesse.
  • Sie ist häufig Voraussetzung für Fördermittel von BAFA, KfW oder Landesprogrammen.
  • Sie schafft Transparenz über Energieverbräuche, Kosten und Risiken – für Geschäftsführung, Controlling und Technik gleichermaßen.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wann Energieberatung für Ihr Unternehmen Pflicht ist – und wann sie sich freiwillig lohnt
  • Welche Arten von Energieberatung es gibt und was sie unterscheidet
  • Worauf Sie bei der Auswahl eines Energieberaters achten sollten
  • Wie Sie den größten Nutzen aus einer Energieberatung ziehen

Wann ist Energieberatung Pflicht?

Energieaudit nach EDL-G (DIN EN 16247)

Unternehmen, die nicht als KMU gelten (d. h. mehr als 250 Mitarbeiter oder mehr als 50 Mio. € Jahresumsatz bzw. 43 Mio. € Bilanzsumme), sind nach dem Energiedienstleistungsgesetz (EDL-G) verpflichtet, alle vier Jahre ein Energieaudit nach DIN EN 16247-1 durchführen zu lassen.

Alternative: Statt eines Energieaudits können Unternehmen auch ein zertifiziertes Energiemanagementsystem nach ISO 50001 oder EMAS einführen.

Ziel des Audits:
Systematische Erfassung und Analyse der Energieverbräuche in Gebäuden, Anlagen und Prozessen – mit konkreten Maßnahmenvorschlägen zur Effizienzsteigerung.

Energieeffizienzgesetz (EnEfG)

Das Energieeffizienzgesetz erweitert die Anforderungen für größere Unternehmen:

  • Unternehmen mit einem Gesamtenergieverbrauch über 7,5 GWh/Jahr müssen wirtschaftliche Effizienzmaßnahmen umsetzen oder ein Energiemanagementsystem einführen.
  • Unternehmen mit einem Verbrauch über 2,5 GWh/Jahr müssen Pläne zur Umsetzung wirtschaftlicher Maßnahmen erstellen.

Wichtig für CFO und Controlling:
Die Schwellenwerte beziehen sich auf den Gesamtenergieverbrauch (Strom, Gas, Wärme, Kraftstoffe) – nicht nur auf Strom.

Fördermittel-Voraussetzungen

Viele BAFA- und KfW-Förderprogramme setzen eine qualifizierte Energieberatung voraus:

  • Energieberatung für Nichtwohngebäude (EBN) nach DIN V 18599
  • Transformationskonzepte im Rahmen der Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW)
  • Sanierungsfahrpläne für Gewerbeimmobilien

Ohne eine fachgerechte Beratung und Dokumentation sind viele Fördermittel nicht zugänglich.

Wann lohnt sich Energieberatung auch freiwillig?

Auch wenn Sie nicht gesetzlich verpflichtet sind, kann sich eine professionelle Energieberatung in vielen Situationen rechnen:

1. Hohe oder stark gestiegene Energiekosten

Wenn Ihre Energiekosten einen relevanten Anteil an den Gesamtkosten ausmachen (z. B. mehr als 3–5 % vom Umsatz) oder in den letzten Jahren stark gestiegen sind, lohnt sich eine systematische Analyse:

  • Wo liegen die größten Verbraucher?
  • Welche Prozesse oder Anlagen sind besonders ineffizient?
  • Gibt es „versteckte” Verluste (z. B. Druckluft-Leckagen, schlechte Dämmung, veraltete Beleuchtung)?

Typischer Nutzen:
Identifikation von Einsparpotenzialen im Bereich von 10–30 % der Energiekosten – oft mit überschaubaren Investitionen umsetzbar.

2. Geplante Investitionen in Anlagen oder Gebäude

Wenn Sie ohnehin in neue Anlagen, Gebäudesanierungen oder Erweiterungen investieren, sollten Sie vor der Investitionsentscheidung eine Energieberatung durchführen:

  • Welche Effizienzstandards sind wirtschaftlich sinnvoll?
  • Welche Fördermittel können Sie nutzen?
  • Wie wirken sich verschiedene Varianten auf Ihre Energiekosten und CO₂-Bilanz aus?

Typischer Nutzen:
Vermeidung von Fehlinvestitionen, bessere Wirtschaftlichkeit durch Fördermittel, langfristig niedrigere Betriebskosten.

3. Vorbereitung auf Dekarbonisierung und ESG-Anforderungen

Immer mehr Unternehmen stehen vor der Aufgabe, ihre CO₂-Emissionen zu reduzieren – sei es aus eigener Überzeugung, aufgrund von Kundenanforderungen oder im Rahmen von ESG-Reporting und Finanzierungsbedingungen.

Eine Energieberatung liefert die Datenbasis für:

  • Dekarbonisierungsstrategien und Roadmaps
  • Transformationskonzepte für Standorte oder Wärmenetze
  • Nachhaltigkeitsberichte und Kennzahlen für Banken, Investoren oder Kunden

Typischer Nutzen:
Strukturierte, faktenbasierte Planung statt Ad-hoc-Maßnahmen – mit klaren Zielpfaden, Investitionsbedarfen und Fördermitteloptionen.

4. Unklare Verbrauchsstrukturen oder fehlende Transparenz

Viele Unternehmen wissen nicht genau:

  • Wo wird wie viel Energie verbraucht?
  • Welche Anlagen oder Prozesse sind die größten Verbraucher?
  • Wie entwickeln sich die Verbräuche im Zeitverlauf?

Eine Energieberatung schafft Transparenz – und ist oft der erste Schritt zu einem strukturierten Energiemanagement.

Typischer Nutzen:
Klare Kennzahlen, Verbrauchsprofile und Ansatzpunkte für Optimierungen – als Grundlage für Controlling, Technik und Geschäftsführung.

Welche Arten von Energieberatung gibt es?

Je nach Ausgangslage, Zielsetzung und Unternehmensgröße gibt es unterschiedliche Beratungsformate:

Energieaudit nach DIN EN 16247

  • Zielgruppe: Nicht-KMU (gesetzliche Pflicht nach EDL-G)
  • Umfang: Systematische Analyse von Gebäuden, Anlagen und Prozessen; Maßnahmenkatalog mit Wirtschaftlichkeitsberechnung
  • Dauer: Je nach Komplexität 2–6 Wochen
  • Ergebnis: Audit-Bericht mit Einsparpotenzial, Maßnahmen und Priorisierung

Geeignet für: Unternehmen, die ihre Audit-Pflicht erfüllen und gleichzeitig konkrete Optimierungsansätze identifizieren wollen.

Energieberatung für Nichtwohngebäude (EBN)

  • Zielgruppe: Eigentümer und Betreiber von Gewerbeimmobilien, Produktions- und Logistikgebäuden
  • Umfang: Energetische Bewertung nach DIN V 18599, Sanierungsfahrplan, Fördermittelberatung
  • Förderung: Bis zu 80 % der Beratungskosten durch BAFA förderfähig
  • Ergebnis: Sanierungsfahrplan mit konkreten Maßnahmen, Kosten und Fördermitteloptionen

Geeignet für: Unternehmen mit eigenen Immobilien, die energetische Sanierungen planen oder Fördermittel nutzen wollen.

Transformationskonzepte

  • Zielgruppe: Unternehmen mit Wärmenetzen oder großen Wärmebedarfen
  • Umfang: Langfristige Dekarbonisierungsstrategie, Zielpfade, Maßnahmen und Investitionsplanung
  • Förderung: Bis zu 50 % der Beratungskosten durch BEW förderfähig
  • Ergebnis: Transformationskonzept als Grundlage für Investitionsentscheidungen und Fördermittelanträge

Geeignet für: Energieintensive Unternehmen, die ihre Wärmeversorgung dekarbonisieren wollen.

Ganzheitliche Unternehmensenergieberatung

  • Zielgruppe: Unternehmen, die Energiekosten, Effizienz und Dekarbonisierung strategisch angehen wollen
  • Umfang: Analyse von Energieeinkauf, Verträgen, Netzentgelten, Anlagen, Gebäuden und Prozessen
  • Ergebnis: Gesamtstrategie mit Quick Wins, mittelfristigen Maßnahmen und langfristiger Roadmap

Geeignet für: Unternehmen, die Energieberatung nicht als Einzelmaßnahme, sondern als Teil einer umfassenden Energie- und Nachhaltigkeitsstrategie verstehen.

Worauf sollten Sie bei der Auswahl eines Energieberaters achten?

Die Qualität einer Energieberatung hängt maßgeblich vom Berater ab. Achten Sie auf folgende Kriterien:

1. Qualifikation und Zulassung

  • Ist der Berater BAFA-gelistet (für förderfähige Beratungen)?
  • Verfügt er über eine Zertifizierung (z. B. Energieberater für Nichtwohngebäude, Energieauditor nach DIN EN 16247)?
  • Hat er Erfahrung in Ihrer Branche (Industrie, Logistik, Gewerbeimmobilien)?

2. Herstellerneutralität

  • Arbeitet der Berater herstellerneutral und ohne Bindung an Energieversorger, Anlagenhersteller oder Fördermittelgeber?
  • Werden Empfehlungen auf Basis Ihrer wirtschaftlichen Ziele getroffen – oder gibt es versteckte Provisionsmodelle?

3. Praxisnähe und Umsetzungsorientierung

  • Liefert der Berater konkrete, umsetzbare Maßnahmen – oder nur theoretische Gutachten?
  • Werden Wirtschaftlichkeitsberechnungen transparent dargestellt (Investition, Einsparung, Amortisation)?
  • Gibt es Unterstützung bei der Umsetzung (z. B. Fördermittelbeantragung, Ausschreibungen, Projektbegleitung)?

4. Kommunikation und Verständlichkeit

  • Werden Ergebnisse so aufbereitet, dass sowohl Geschäftsführung als auch Technik damit arbeiten können?
  • Gibt es klare Priorisierungen (Quick Wins vs. langfristige Maßnahmen)?
  • Ist der Berater erreichbar und kommunikativ – auch nach Abschluss der Beratung?

5. Referenzen und Erfahrung

  • Kann der Berater Referenzprojekte aus vergleichbaren Unternehmen vorweisen?
  • Gibt es Bewertungen oder Empfehlungen von anderen Kunden?

Wie ziehen Sie den größten Nutzen aus einer Energieberatung?

Eine Energieberatung ist nur so gut wie ihre Umsetzung. So stellen Sie sicher, dass die Beratung echten Mehrwert bringt:

Vor der Beratung

  • Klären Sie Ihre Ziele: Wollen Sie Kosten senken, Fördermittel nutzen, Compliance erfüllen oder eine Dekarbonisierungsstrategie entwickeln?
  • Stellen Sie Daten bereit: Energieabrechnungen, Lastgänge, Verträge, Gebäudepläne, Anlagenlisten – je besser die Datenbasis, desto präziser die Analyse.
  • Binden Sie relevante Bereiche ein: Geschäftsführung, Controlling, Technik, Einkauf – alle sollten wissen, was passiert und warum.

Während der Beratung

  • Bleiben Sie im Austausch: Stellen Sie Fragen, hinterfragen Sie Annahmen, fordern Sie Klarheit bei Wirtschaftlichkeitsberechnungen.
  • Priorisieren Sie gemeinsam: Welche Maßnahmen haben den größten Hebel? Was lässt sich kurzfristig umsetzen?

Nach der Beratung

  • Setzen Sie um: Auch die beste Beratung bringt nichts, wenn die Maßnahmen in der Schublade bleiben. Legen Sie Verantwortlichkeiten, Zeitpläne und Budgets fest.
  • Messen Sie Erfolge: Dokumentieren Sie Einsparungen, vergleichen Sie Verbräuche vor/nach Umsetzung, nutzen Sie die Ergebnisse für interne Kommunikation und Controlling.
  • Bleiben Sie dran: Energieberatung ist kein einmaliges Projekt – nutzen Sie die Ergebnisse als Basis für kontinuierliche Verbesserung (z. B. im Rahmen eines Energiemanagementsystems).

Fazit: Energieberatung als strategisches Instrument

Energieberatung für Unternehmen ist weit mehr als eine Pflichtübung. Sie ist ein strategisches Instrument, um:

  • Kosten zu senken (oft im fünf- bis sechsstelligen Bereich pro Jahr)
  • Investitionen abzusichern (durch Wirtschaftlichkeitsberechnungen und Fördermittel)
  • Risiken zu reduzieren (durch Transparenz über Verbräuche, Verträge und Compliance-Anforderungen)
  • Dekarbonisierung strukturiert anzugehen (mit klaren Zielpfaden und Maßnahmenplänen)

Entscheidend ist: Wählen Sie den richtigen Berater – und setzen Sie die Ergebnisse konsequent um.

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Hinweis: Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert, um neue gesetzliche Anforderungen, Förderprogramme und Praxiserfahrungen zu berücksichtigen.

Themen in diesem Artikel:
Energieberatung Energieaudit DIN EN 16247 Unternehmen Energieeffizienz

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