Die Austauschpflicht für alte Öl- und Gaskessel ist entfallen, gestrichen mit dem GModG zum 29.07.2026. Viele Betriebe atmen auf: Die alte Ölheizung in der Halle darf bleiben. Die ehrliche Antwort eines Energieberaters darauf lautet: dürfen ja, aber ob sie bleiben sollte, entscheidet eine Rechnung mit drei Posten, die in kaum einem Angebot auftauchen.
Posten 1: der CO2-Preis läuft weiter, Pflicht hin oder her
Der nationale Emissionshandel ist 2026 in die Versteigerungsphase gewechselt. Der Preiskorridor liegt bei 55 bis 65 Euro je Tonne CO2, nach 55 Euro Festpreis im Jahr 2025. Beim Höchstpreis entspricht das gut 17 Cent je Liter Heizöl, gerechnet mit dem Standard-Emissionsfaktor von 2,66 Kilogramm CO2 je Liter.
Bei 30.000 Litern Jahresverbrauch sind das gut 5.000 Euro CO2-Kosten pro Jahr, Tendenz politisch angelegt steigend. Die Austauschpflicht ist gefallen, die Zahlungspflicht nicht.
Wer die alte Ölheizung weiterlaufen lässt, trifft keine Nicht-Entscheidung. Er entscheidet sich für steigende CO2-Kosten bei voller Planungsfreiheit des Gesetzgebers über den künftigen Preispfad.
Vermieter von Gewerbeimmobilien trifft es doppelt: Nach dem CO2-Kostenaufteilungsgesetz werden die CO2-Kosten bei Nichtwohngebäuden hälftig zwischen Vermieter und Mieter geteilt, solange die Vertragsparteien nichts anderes vereinbaren. Die Hälfte der Rechnung bleibt also beim Eigentümer hängen.
Posten 2: die Bio-Treppe verteuert den Ersatz durch Öl und Gas
Der naheliegende Gedanke “dann tauschen wir eben später gegen eine neue Ölheizung” hat einen Haken. Für neu eingebaute Öl- und Gasheizungen schreibt das GModG steigende Anteile erneuerbarer Brennstoffe vor: 10 Prozent ab 2029, 15 Prozent ab 2030, 30 Prozent ab 2035, 60 Prozent ab 2040. Bio-Heizöl und Biomethan kosten spürbar mehr als fossile Ware, und der Pflichtanteil wächst über die Lebensdauer der Anlage.
Eine 2028 eingebaute Ölheizung mit 20 Jahren Laufzeit durchläuft drei Stufen der Treppe. Diese Mehrkosten gehören in den Angebotsvergleich, sonst sieht die fossile Variante günstiger aus, als sie über die Laufzeit ist.
Posten 3: Wartung, Ausfallrisiko und der Wert der Planbarkeit
Ein Kessel jenseits der 25 Jahre läuft selten effizient und nie risikofrei:
- Wirkungsgradverluste von 10 bis 15 Prozent gegenüber moderner Technik sind üblich
- Ersatzteile werden knapper und teurer, Stillstandszeiten länger
- Ein ungeplanter Ausfall in der Heizperiode kostet mehr als jede geplante Modernisierung
- Versicherer und Banken fragen bei Gewerbeimmobilien zunehmend nach dem energetischen Zustand
- ESG-Berichtspflichten machen den fossilen Bestand sichtbar, ob man will oder nicht
Die drei Optionen im Vergleich
| Option | Investition | Laufende Kosten | Risiko |
|---|---|---|---|
| Weiterbetrieb Altanlage | keine | steigende CO2- und Wartungskosten | Ausfall zur Unzeit, keine Förderung |
| Neue Öl- oder Gasheizung | mittel | Brennstoff plus Bio-Treppe ab 2029 | Quotenpfad bis 60 % eingekauft |
| Wärmepumpe oder Hybridlösung | hoch | Strom statt Brennstoff, kein CO2-Preis aufs Heizen | höchster Planungsaufwand, Förderung nötig |
Pauschal gewinnt keine der drei. Bei gut gedämmten Hallen mit Flächenheizung rechnet sich die Wärmepumpe oft schon heute. Bei schlecht gedämmtem Altbestand mit Hochtemperaturnetz kann der befristete Weiterbetrieb plus Dämmung die klügere Reihenfolge sein. Entscheidend ist die Vollkostenrechnung über 15 bis 20 Jahre, nicht der Angebotspreis.
So kommen Sie zu einer belastbaren Entscheidung
- Ist-Kosten erfassen: Brennstoff, CO2-Preis, Wartung und Hilfsstrom der Altanlage zusammenrechnen.
- Restlebensdauer realistisch schätzen: Der Schornsteinfeger und das Wartungsprotokoll sagen mehr als das Baujahr.
- Alternativen durchrechnen lassen: inklusive Bio-Treppe beim fossilen Ersatz und Förderung bei der Wärmepumpe.
- Fördermittel vor der Beauftragung sichern: Die BEG-Förderung wurde im Juli 2026 neu geordnet, Anträge gehören vor die Bestellung.
- Entscheidung dokumentieren: auch für Bank, Versicherer und ESG-Bericht.
Die Energieberatung für Unternehmen liefert genau diese Rechnung, BAFA-gefördert mit 50 Prozent des Honorars. Senden Sie uns Baujahr und Verbrauch Ihrer Anlage, Sie erhalten eine erste Einschätzung, ob Ihre Ölheizung noch Vermögen schont oder längst Geld verbrennt.